Im Jubiläumsjahr offen für neue Wege und Chancen
Florian, was lässt deinen Puls höher schlagen, wenn du an deine Arbeit denkst?
Florian Wüthrich (FW): Wenn es uns gelingt, in der Gesellschaft mit unseren Angeboten anzukommen. Wir haben nun acht so genannte Personas entwickelt. Sie veranschaulichen typische Vertreter einer Zielgruppe: Welche haben echtes Interesse an Glaubensfragen und wo stehen die unterschiedlichen Personen im Leben? Wir wollen es schaffen, ihrem Denken und ihren Gefühlen eine Antwort zu geben. Ziel ist es, dass sie etwas davon spüren von dieser Freude und Begeisterung, was ein Leben mit Jesus ausmacht. Da schlägt mein Puls definitiv höher.
Hast du ein konkretes Beispiel?
FW: Am nächsten steht mir aktuell mein Freund aus der Rekrutenschule. Er arbeitet heute als Jurist beim Bundesamt für Justiz. Ihn treffe ich alle zwei bis drei Monate einmal zum Mittagessen. Er ist Agnostiker und auf der Suche. Er würde gerne glauben, doch das Universum gibt ihm noch keine Antwort. Das ist für mich so eine typische, spannende Person, mit der ich unterwegs bin. Ihm gebe ich immer wieder mal eine Hope-Zeitung zum Lesen und frage ihn: Wie wirkt das auf dich? Jetzt wurde er sogar erstmals zum Spender, obwohl er noch nicht an Jesus glaubt.
Im Sommer bist du zweieinhalb Jahre CEO von Livenet. Bis zum Jubiläum hast du dir konkrete Veränderungen vorgenommen.
FW: Ja, das gab mir Gelegenheit, unsere Aktivitäten neu zu klären, zu fokussieren und dadurch auch gewisse Dinge auszumisten. Wir sind da auf gutem Weg: die Struktur ist gelegt, der Vorstand wurde erneuert und wir schaffen einige Innovationen. Die Post kann für die nächsten 25 Jahre nochmals richtig abgehen!
Aktuell verfügt ihr mit Livenet.ch, Jesus.ch und Hope-Schweiz.ch über drei Plattformen. Wie sieht die künftige Strategie aus?
FW: Die Strategie liegt in einer inhaltlichen Aufteilung zwischen den Plattformen. Wir werden Livenet.ch als Serviceportal positionieren. Auf dieser Plattform werden wir uns auch als Organisation darstellen. Mit Jesus.ch und Hope-schweiz.ch – inklusive den Printzeitungen – werden spannende Inhalte präsentiert. Jesus.ch hat von allen Plattformen die höchste Autorität. Dort haben wir am meisten Verkehr, dort werden wir über Google am ehesten gefunden. Daher erfolgt der stärkste Innovationsschub auf Jesus.ch. Themen sind Bibel entdecken, Jesus im Alltag erleben oder im Glauben wachsen. Es soll attraktiv sein für Menschen, die noch nicht glauben. Und auch die anderen werden Nahrung erhalten.
Und bei Hope?
FW: Hope bleibt der Linie treu. Wir setzen hier verstärkt auf online, ab und zu gibt es eine Verteilzeitung. Der Start war umgekehrt mit den gedruckten Zeitungen und danach online. Dies war aber nötig, um die lokalen Allianzen zu gewinnen. Neben der bewusst regionalen Ausrichtung wie zum Beispiel Hope Basel zum Eurovision Song Contest (ESC) setzen wir auch nationale Akzente. An Ostern wird die Zeitung mit einer Auflage von 120'000 Stück als Beilage im «Sonntagsblick» erscheinen. Zusätzlich gibt es 50'000 Exemplare zum Verteilen.
Und dann gibt es noch etwas komplett Neues: Ihr werdet kochen!
FW: Genau… Wir bauen unsere Cafeteria komplett um. Neu wollen wir dort eine moderne Küche einbauen, um die Ansprüche der wachsenden Bürogemeinschaft mit vier Untermietern zu decken. Die Idee zum Kochen ist aus der Not heraus entstanden. Ich habe mir überlegt, wie wir die Kosten für diesen Umbau finanzieren können. Weil wir unseren YouTube-Kanal gezielt ausbauen möchten, kam ich so auf die Idee einer Koch-Show. Der Titel lautet: «Was das Leben auftischt». Da können wir im Gespräch in die Tiefe gehen und ganz neue Facetten zum Vorschein bringen. Für die Finanzierung der Küche ging ich dann ganz frech auf den Chef der Schreinerei Baumann + Eggimann zu, ob sie als Partner einsteigen möchten. Die Anfrage kam für sie komplett unerwartet, trotzdem steigen sie mit Freude ein (mehr Hintergründe zu dieser Küchen-Partnerschaft auch hier im Livenet-Talk mit Micha Somandin). Wir dürfen mit Gott etwas wagen, auch wenn es verrückt klingt. Daher kommt auch der Löwenmut, den wir in unserem Land verkörpern wollen.
Bleiben wir beim Umbau: Maria, wieso ist der nötig?
Maria Luchs (ML): Wir haben unser Budget analysiert. Wir mussten etwas unternehmen, wenn wir an diesem zentralen Standort bleiben wollen. Wir konnten nicht mehr so weitermachen und haben daher strategisch beschlossen, die Fixkosten zu senken. So sind wir zu unseren vier Untermietern Campus für Christus, Compassion, Glowbalact und Interaction gekommen. Wir verfügen in Bern am Bahnhof an bester Lage über 420 Quadratmeter Fläche. Davon haben wir jetzt rund die Hälfte untervermietet und konnten dadurch die Mietkosten um fast die Hälfte reduzieren.
Neue Mieter heisst auch neue Bedürfnisse?
ML: Damit alle Untermieter sauber abgetrennte Büros nutzen konnten, war ein Umbau nötig. Dazu kamen die höheren Bedürfnisse für Sitzungszimmer und die Cafeteria. Der Kaffee war bei uns schon immer gut, aber mit einem Bistro können wir die Gäste noch länger zum Verweilen bringen. Es war auch ein Bedürfnis der Angestellten, weil sich die Frage nach dem gemeinsamen Essen stellte. Das ist wichtig für unsere Gemeinschaft, damit wir alle an einem Strick ziehen. Jetzt wurde unsere Bürogemeinschaft zu einem Hub, wo es richtig pulsiert. Und auch für die weitere Vernetzung schafft dies eine gute Ausgangslage.
Als Leiterin Administration trägst du die Verantwortung für die Finanzen und die Belegschaft. Kannst du uns ein paar aktuelle Facts & Figures nennen?
ML: Wir sind rund 40 Angestellte, die meisten davon Teilzeit und einige davon im Homeoffice. Wir bilden zurzeit drei Lernende aus – zwei KV und eine Mediamatikerin. Dazu kommen Praktikanten. Die Angestellten verteilen sich auf sieben Abteilungen: Administration, Service wie Beratung/Lebenshilfe, Evangelisation, Redaktion, Kommunikation, IT und Verkauf.
Wie ist es euch 2024 bezüglich Spenden ergangen?
ML: Das entwickelte sich sehr erfreulich. Wir haben insgesamt mehr erhalten, als wir uns zum Ziel gesetzt haben. Das stimmt uns äusserst dankbar. Es ist uns gelungen, Vertrauen aufzubauen. Das gibt uns für das Jubiläumsjahr Wind in die Segel. Es braucht immer beides – gute Arbeit und Gottes Wirken.
FW: Ich habe bewusst damit angefangen, möglichst jede Woche einen Spender ohne grosse Agenda persönlich zu besuchen. Ich will meine Dankbarkeit ausdrücken, dass wir diese Mission gemeinsam wahrnehmen können. Es ist unglaublich, was diese Besuche alles auslösen! Ich gehe immer beschenkt mit neuem Vertrauen und oft auch mit neuen Ideen heim. Vertrauen ist immer noch das A und O.
Wie schafft ihr es, die nächsten Generation der Jungen zu gewinnen?
FW: Da helfen uns natürlich die sozialen Medien. Bei uns wurde zum Beispiel Instagram sehr wichtig. Wir investieren hier ganz gezielt Ressourcen in kurze Videos, um gehaltvollen Inhalt zu präsentieren. Mit Video und Social Media geben wir Schub. Da möchten wir auch experimentieren. Daher haben wir mit Annina Baer bewusst eine 26-jährige, bestens ausgebildete Frau im Leitungsteam, die hier den Puls viel besser spürt als ich. Ein Experiment war die Lancierung der Livenet-Talks. Da haben wir eine Verdoppelung der Abonnenten erlebt. Das haben wir nun mit Ruedi Josuran noch verstärkt.
Online haben sich die Klickzahlen jährlich nach oben bewegt. Geht das immer so weiter?
FW: Nein, da stellen wir wie beim Bücher lesen eine gewisse Ermüdung fest. Das ist auch ein Grund, dass wir uns bewegen und Neues schaffen, um weiter attraktiv zu bleiben. Dazu gehört zum Beispiel auch ein Podcast-Format, wo man einfach zuhören kann. Wir wollen die so genannte «Customer Journey» (Kundenreise) weiterführen: Wenn jemand einen spannenden Artikel bei uns findet, dann wollen wir ihm zudem weiterführende Links und Bücher anbieten. Der Artikel kann auch von einem Expertengespräch ergänzt werden.
Maria, wie geht es dir als «Löwin» mit der Administration und den Finanzen hinter einem Chef, der so viel Neues anreisst?
ML: Ich schätze die angenehme zwischenmenschliche Art von Florian. Er hat keinen autoritären Führungsstil, sondern ist offen für kritische Rückfragen. Er hört zu und ist bereit für Veränderungen. Auch im Team schätzen sie seine Art, auch wenn wir uns nicht immer einig sind. Ich fühle mich von der Entwicklung sehr ermutigt. Ich liebe auch Neuigkeiten und probiere gerne Neues aus. So habe ich noch nie einen Umbau geplant und schätze die vielfältigen Tätigkeiten.
Florian, du bist jetzt schon mehr als elf Jahre bei Livenet. Was ist dein Erfolgsgeheimnis und was motiviert dich weiter?
FW: Mir ist wichtig, treu und zuverlässig meine Beziehungen pflegen, den Menschen zuhören und einen grossen Glauben zu bewahren. Das sind für mich die Zutaten für Erfolg. Ich bin nicht der geduldigste Leiter und wollte viel rascher vorwärts machen. Aber da haben wir gemerkt, dass die Qualität eine grössere Bedeutung hat als Schnelligkeit. Klar bin ich manchmal überfordert und schlafe schlecht. Aber mit einem Grundgefühl der Dankbarkeit kann ich das alles gut aushalten und meine Freude bewahren. So wird mich Livenet vielleicht noch länger aushalten müssen (lacht).
Zu den Personen
Florian Wüthrich, 42, aus Burgdorf arbeitet seit Februar 2014 bei Livenet und ist seit 2023 Geschäftsführer. Er ist gelernter Kaufmann auf einer Gemeindeverwaltung mit Berufsmatura. Dann wechselte er in den Journalismus und startete bei einem Lokalradio. Er ist seit zwölf Jahren mit Ruth verheiratet und Vater von drei Kindern. Seine Hobbys sind Fussball-Schiedsrichter, die SCL Tigers und Lesen.
Maria Luchs, 32, aus Brienz arbeitet seit Anfang 2012 bei Livenet. Sie ist stellvertretende Geschäftsführerin und für Administration, Buchhaltung, Baukoordination und das Jubiläum zuständig. Sie ist gelernte Kauffrau auf einer Gemeindeverwaltung. Später absolvierte sie den Berufsbildnerkurs, betreut heute die KV-Lernenden und arbeitet beim ICF Interlaken im kreativen Bereich. Ihre Hobbys sind Tanzen, Worship (Gitarre), Garten, Schwimmen und Fotografie.
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Datum: 27.02.2025
Autor:
Markus Baumgartner
Quelle:
Livenet