Jeder 12. Christ in USA bedroht

Trump-Abschiebungen: Verlust für die Kirche

Über die mexikanische Grenze sind viele Migranten illegal in die USA eingewandert
Vier von fünf Immigranten, die von der Abschiebung aus den Vereinigten Staaten bedroht sind, sind Christen. Dies geht aus einem neuen Bericht evangelischer und katholischer Organisationen hervor. Die Autoren schlagen Alarm.

Die Untersuchung, die sich auf Volkszählungsdaten stützt, wurde von der National Association of Evangelicals NAE (dem Pendent der Evangelischen Allianz), dem Komitee für Migration der Katholischen Bischofskonferenz der USA und dem Zentrum für das Studium des globalen Christentums am Gordon-Conwell Theological Seminary in Massachusetts in Auftrag gegeben. Sie ergab, dass zehn Millionen Christen von Abschiebung bedroht sind und sieben Millionen christliche US-Bürger mit einem von Abschiebung bedrohten Familienmitglied leben. «Einer von zwölf Christen in den USA ist von der Abschiebung bedroht», hielt der Bericht fest.

«Viele US-Christen wissen das vielleicht nicht»

«Obwohl wir uns grosse Sorgen um unsere christlichen Mitbürger machen, geht es uns nicht ausschliesslich um Einwanderer, die zufällig unseren Glauben teilen», sagte Matthew Soerens, Vizepräsident der evangelikalen humanitären Organisation World Relief, die den Bericht mitfinanziert hat. «Als Christen glauben wir, dass alle Menschen, unabhängig von ihrer religiösen Tradition oder Nationalität, nach Gottes Ebenbild geschaffen sind und eine angeborene Würde besitzen», so Soerens in einer Videoerklärung. Er fügte jedoch hinzu, dass viele Christen in den USA vielleicht nicht wissen, dass die meisten derjenigen, denen die Abschiebung droht, ihren Glauben teilen. Für viele US-Christen könnte angesichts der breiten Unterstützung, die Trump von den Evangelikalen entgegengebracht wird, der Bericht eine Überraschung sein. Acht von zehn weissen Evangelikalen hatten für den Präsidenten gestimmt, ebenfalls mehr als die Hälfte der lateinamerikanischen Christen.

Verlust für die Kirche

Die Angst vor einer Abschiebung hält Christen mittlerweile davon ab, in die Kirche zu gehen, weil es Agenten der Einwanderungsbehörde (ICE) erlaubt ist, Gotteshäuser zu betreten, um Verhaftungen vorzunehmen. 

In einer Zeit, in der eine wachsende Zahl von Menschen in den USA keine religiöse Zugehörigkeit mehr hat, haben viele christliche Einwanderer dazu beigetragen, die Kirchen wiederzubeleben und ihr Wachstum anzukurbeln, sagte Walter Kim, Präsident der National Association of Evangelicals, in einem Gespräch mit «The Mail». «Sie kommen aus Teilen der Welt, in denen die Kirche tatsächlich floriert», sagte Kim. «Sie bringen diesen blühenden Glauben mit nach Amerika und tragen damit zur Lebendigkeit der Kirche in Amerika bei.»

Viele Herkunftsregionen der grossen Einwanderer- und Flüchtlingsgruppen, darunter Lateinamerika, Afrika südlich der Sahara und die Ukraine, haben grosse christliche Bevölkerungsanteile.

Nicht nur eine politische Angelegenheit

«Wir schlagen Alarm, damit alle amerikanischen Christen wissen, was hier vorgeschlagen wird», sagte Matthew Soerens. «Wir beten mit diesem Bericht dafür, dass die amerikanischen Christen erkennen, dass diese vorgeschlagenen Abschiebungen, egal in welchem Ausmass sie letztendlich Realität werden, nicht nur eine politische Angelegenheit sind, sondern eine Dynamik, die sich auf uns als Nachfolger Jesu auswirkt, die in Einheit unter Christus zusammengewachsen sind», sagte Soerens.

Der Bericht mit dem Titel «One Part of the Body: The Potential Impact of Deportations on American Christian Families» (Ein Teil des Leibes: Die potenziellen Auswirkungen von Abschiebungen auf amerikanische christliche Familien) leistet dem Wahlkampfversprechen des Präsidenten, «die grösste Abschiebung in der Geschichte der USA» durchzuführen, Widerstand. Für die katholische Kirche seien die angedrohten Abschiebungen «eine Katastrophe». Aber auch Evangelikale werden langsam aktiv. Im März organisierten World Relief und andere prominente evangelikale Gruppen eine öffentliche Mahnwache auf dem Capitol Hill, um die Kürzungen der US-Regierung bei der US-Agentur für internationale Entwicklung und bei der Auslandshilfe im Allgemeinen zu verurteilen und zu argumentieren, dass die Änderungen bedürftigen Menschen das Leben kosten werden.

Der Bericht brachte die Vermutung zum Ausdruck, dass die meisten Christen, die für Trump gestimmt haben, entweder seine Einwanderungspolitik nicht unterstützen oder die Auswirkungen, die sie haben könnte, «nicht vollständig verstehen». NAE-Präsident Kim zitierte jüngste Umfragen, die zeigen, dass weniger als ein Fünftel der Evangelikalen die Abschiebung von Einwanderern befürwortet, die Ehepartner oder Kinder haben, die US-Bürger sind, die seit zehn Jahren oder länger im Land sind oder die bereit sind, eine Geldstrafe als Wiedergutmachung für die Verletzung eines Einwanderungsgesetzes zu zahlen.

«Die Menschen, die zu den von Abschiebung Bedrohten gezählt werden, schaden unserer Gemeinschaft nicht, sondern bauen sie auf», sagte er.

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Datum: 06.04.2025
Autor: Reinhold Scharnowski
Quelle: Livenet

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