Die Römer 8,28-Perspektive

An Problemen wachsen

An Problemen wachsen
Suchst du Probleme? Wahrscheinlich nicht. Doch die meisten kennen das Gefühl, nach Schwierigkeiten «auf der anderen Seite» wieder aufzutauchen und zu merken, dass sie reifer geworden sind und das Leben und sich selbst ein bisschen besser verstehen.

Sobald die Rede in manchen Kirchen und Gemeinden auf harte Zeiten und den Umgang damit kommt, wird es extrem. Einer betet im Sinne eines christlichen Buchklassikers: «Zerbrich mich, Herr!». Die meisten anderen zucken erschreckt zusammen: «Bloss nicht! Gott, hilf, dass (hier bitte die eigenen Schwierigkeiten einsetzen) so schnell und spurlos wie möglich wieder vorbeigehen.» Allerdings haben beide Reaktionen wenig mit deinem normalen Alltag zu tun. Du wirst dich wahrscheinlich nicht eine ganze Nacht lang in ein eiskaltes Wasserloch stellen, um «dem Fleisch abzusterben». Allerdings heissen deine Probleme auch nicht unbedingt Krebs oder Tod, meistens haben sie eher die Namen deiner Familie oder Kolleginnen und sind zwar manchmal anstrengend, meistens aber ganz okay. Und tatsächlich kannst du als Person daran wachsen. Genau das ist es, was Paulus im Römerbrief so ausdrückt: «Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen, denen, die nach dem Vorsatz berufen sind.» Denn auch dieser Vers gilt zuerst einmal für das normale Leben.

Die normale Härte

Es wird dich nicht überraschen, wenn du hörst, dass Schwierigkeiten, Krankheiten und ungeliebte Situationen zum Alltag dazugehören wie die Baustellen im Strassenverkehr. Wenn du sie ignorieren oder wegbeten möchtest – kleine Prophetie –, dann wirst du scheitern. Allerdings brauchst du auch nicht bei jedem grippalen Infekt zu fragen: «Gott, was willst du mir damit sagen? Warum bin ich krank geworden?» Vielleicht antwortet er nur: «Weil du dich angesteckt hast…, so wie zehn Millionen andere auch.» 

Doch das ist nur die eine Seite. Die andere Seite ist, wie du mit den Schwierigkeiten umgehst, die uns Menschen seit der Zeit im Paradies begleiten. Könnte es eine Möglichkeit sein, sie nicht als Ziel, sonden als Hilfe auf Weg dahin zu begreifen? Wenn du regelmässig joggen gehst, dann ist ein abendlicher Trainingslauf bei 3°C und Nieselregen nach einem anstrengenden Tag wahrscheinlich nicht deine Lieblingsbeschäftigung – wenn du sechs Wochen später beim Halbmarathon am Start bist, war er allerdings nötig. Härten können eben doch hilfreich sein.

Chancen statt Grenzen

Welche Chancen können denn in den normalen Härten deines Alltags stecken?

  • Du entwickelst Stärken, die dir vielleicht gar nicht bewusst waren. Im Umgang mit anstrengenden Menschen ruhig zu bleiben, wirst du nie mit einem Buch in der Hand lernen: Du musst es im Alltag üben. Mit genau diesen problematischen Zeitgenossen. Als Jesus seinen Freunden sagte: «Liebt eure Feinde, tut Gutes denen, die euch hassen», dann hat das den Jüngern nicht gereicht. Ein bisschen mussten sie es auch üben. Aber neben allem Scheitern haben sie gemerkt, dass sie hier Stärken entwickeln konnten. So wurde aus dem «Donnersohn» Johannes der Apostel der Liebe.
  • Du entdeckst neue Wege. Ohne Hindernisse im Leben neigst du wahrscheinlich dazu, Dinge genauso weiterzumachen wie immer. Wenn sich Hindernisse in den Weg stellen, ist das nicht nur lästig: Es schafft auch Raum für Veränderung. In deinem Verhalten und in deinem Denken.
  • Du wirst dankbarer. Nicht unbedingt für das, was schiefläuft, aber für so vieles, was gut funktioniert. Manchmal hilft dir ein Tag mit Fieber im Bett, um dankbar zu realisieren, dass es dein erster Krankheitstag nach Jahren ist, oder du kannst dich nach einem Fehler besonders über das freuen, was dir sonst gelingt. Du kennst die Idee, dass Licht im Dunklen besonders gut wahrnehmbar ist. Bei den grossen Problemen des Lebens klingt solch eine Aussage oft leer und hohl, im Alltag stimmt sie einfach.
  • Du wächst innerlich. Glaubenswachstum ist ein zentrales Anliegen der biblischen Autoren. So erwartet Paulus von den Ephesern, dass sie «wahrhaftig in der Liebe heranwachsen in allen Stücken zu ihm hin, der das Haupt ist, der Christus». Aber gesundes Wachstum geschieht durch den Wechsel von entspannten und harten Phasen im Leben – es ist ein bisschen wie bei einem Baum, dessen Jahresringe ihm durch die kalten und schweren Tage die nötige Stabilität geben.

Römerbrief und Resilienz

Ein Schlagwort, das diesen konstruktiven Umgang mit Krisen beschreibt, ist Resilienz. Es ist die Kunst, schwierige Lebenssituationen ohne anhaltende Beeinträchtigung zu überstehen bzw. die Kraft zum Wieder-Aufstehen. In erster Linie ist dies eine Frage der Perspektive. Bei wirklich heftigen Problemen gelten noch einmal andere Regeln, doch bei den alltäglichen Hindernissen und Schwierigkeiten hilft es durchaus, «aufzustehen, Krone zu richten und weiterzugehen», wie es so schön heisst. Es hilft, die Krise nicht als Ende zu verstehen, sondern als Durchgangszeit. Und es hilft immens zu realisieren, dass Gott mit dir in diesem Problem steckt. Und dass er es im Griff und sogar eine Idee darüber hinaus hat: «Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen, denen, die nach dem Vorsatz berufen sind.» Dieses «Beste» hat übrigens viele Namen: Reife, Weisheit, Stärke, Ausgeglichenheit… Und so erstrebenswert, wie sich das anhört: Es gibt sie nie umsonst.

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Datum: 05.04.2025
Autor: Hauke Burgarth
Quelle: Livenet

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