Slowflower-Bewegung

Blumenfreude aus der Region

Lydia Schleife ist Floristin aus Leidenschaft
Schnittblumen sind schön und machen das Leben bunter. Doch oftmals sind sie nicht nachhaltig. Die Slowflower-Bewegung möchte dies ändern. Zu der Bewegung gehört auch Lydia Schleife, eine Floristin, die ihren Traum lebt.

Lydia Schleife baut in Gera ihre eigenen nachhaltigen Blumen an. Unter dem Namen «Frau Schleife – die Blumenbinderin» bietet sie Workshops zum Sträusse- und Kränzebinden an, macht Hochzeits- und Trauerfloristik und verkauft ihre regionalen und saisonalen Gestecke.

Wie bist du darauf gekommen, Floristin zu werden?
Lydia Schleife:
Meine Eltern hatten eine Gärtnerei und somit waren Blumen immer ein Teil von mir. Später habe ich eine Ausbildung zur Floristin gemacht, in mehreren Blumengeschäften gearbeitet und mit meinem Mann ein sozial-missionarisches Projekt geleitet.

Und woher kam dann die Idee, eigene Schnittblumen anzubauen?
Als wir während unserer Elternzeit auf verschiedenen Farmen in Nordamerika gearbeitet haben, wuchs der Wunsch in mir, auch so zu arbeiten und meine eigenen Blumen anzubauen. Und obwohl der Traum eigentlich ganz unrealistisch erschien, habe ich dafür gebetet. Noch während wir in Nordamerika waren, ergab es sich, dass wir zufällig erfahren haben, dass für ein Pfarrhaus mit Garten Nachmieter gesucht wurden. Es hat mich sehr beeindruckt, dass Gott mir diesen Wunsch erfüllt hat. Vor acht Jahren konnte ich dann mit dem Blumenanbau beginnen.

Später bist du dann Mitglied der Slowflower-Bewegung geworden. Wie sah dein Weg hin zurnachhaltigen Floristik aus?
Ich bin die ersten Jahre meines Lebens in der DDR aufgewachsen, und dort war vieles nachhaltiger, weil wir Dinge wie zum Beispiel Heissleim gar nicht hatten. Stattdessen haben wir, auch auf dem elterlichen Betrieb, nur mit Draht gearbeitet. Nach der Wende sind wir in vielen Punkten zurückgegangen, haben angefangen, Plastik zu verwenden.

Ich begann mit Anfang 20, mich mehr mit Nachhaltigkeit auseinanderzusetzen. Zum einen während eines Aufenthalts auf einer Bio-Farm in Florida, zum anderen dann während der Schwangerschaft. Wir haben zum Beispiel unsere Kinder mit Stoffwindeln gewickelt, um den Müll zu reduzieren. Herausfordernder fand ich es allerdings, in der Floristik auf Plastik zu verzichten, denn ich war es gewohnt, mit Steckmasse und Heisskleber zu arbeiten. Als ich auf die Slowflower-Bewegung aufmerksam geworden bin, war ich zuerst kritisch, ob es überhaupt möglich ist, nur mit heimischen Blumen zu arbeiten. Die Kundschaft hat ja oft sehr spezielle Wünsche. Seit zwei Jahren arbeite ich nur noch mit meinen eigenen Blumen oder kaufe von heimischen Bio-Betrieben zu. Ich benutze kein Plastik mehr, sodass man alle meine Kreationen kompostieren kann.

Und funktioniert das gut?
Manchmal ist es herausfordernd, nur mit saisonalen Pflanzen zu arbeiten und Kunden haben mir etwa für Hochzeiten schon abgesagt, weil es für sie nicht denkbar ist, nicht ganz genau zu wissen, welche Blumen ich für die Hochzeit haben werde. Aber seit ich das so offen kommuniziere, kommen eher Menschen zu mir, denen Nachhaltigkeit wichtig ist.

Was ist besonders herausfordernd an deinem Beruf?
Einmal hat mir ein Hagelschlag alle Blumen vernichtet – da musste ich echt weinen. Ausserdem habe ich ein grosses Schneckenproblem im Garten, die Wühlmäuse haben mir schon vieles vernichtet und der Waschbär frisst offenbar gerne meine Ranunkeln! Es ist auch nicht einfach, von den Blumen zu leben, da steckt viel Idealismus dahinter. Da muss ich aufpassen, dass ich die Freude daran nicht verliere.

Was fasziniert dich an der Arbeit mit den Blumen?
Blumen bringen mir und anderen Menschen so viel Freude. So wie Gemüse den Körper nährt, nähren Blumen die Seele und tun gut. Blumenbinden ist meine Leidenschaft.

Du engagierst dich mit deinen Blumen auch ehrenamtlich auf Festivals. Ausserdem hast du im Rahmen eines Projekts gemeinsam mit einer Freundin und Fotografin Bewohnerinnen eines Seniorenheims besucht. Erzähl mal darüber.
In dem Workshop haben wir gemeinsam mit den Frauen im Seniorenheim Haarkränze gestaltet und anschliessend Fotos von ihnen gemacht. Das Heim war schon sehr steril, die Schönheit hat dort gefehlt. Wir haben die Schönheit des Waldes und der Wiesen zu ihnen gebracht. Zuerst waren die Frauen nicht so begeistert von der Idee, aber im Nachhinein waren sie so dankbar für diese Begegnung. Das Riechen, Fühlen und mit den Händen schaffen hat auch Erinnerungen an die Kindheit geweckt, an Blumen, die sie früher auch im Garten hatten. Es war schön, das mit ihnen zelebrieren zu können.

Wie erlebst du in deinem Beruf den Glauben an einen Schöpfer?
Ich sehe es als Auftrag von Gott, die Welt zu bewahren und zu erhalten. Und ich bin immer wieder begeistert von der Vielfalt der Natur und denke dabei, dass das nicht durch Zufall entstanden sein kann. Da sehe ich Gott in jeder unterschiedlichen Blume, jedem Samenkorn, jedem Blatt.

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Datum: 03.04.2025
Autor: Naomi Bosch
Quelle: Magazin andersLeben 01/2025, SCM Bundes-Verlag

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