«Nun fühle ich mich zu Hause»

Warum Autor von Atheismus zu Christentum konvertierte

Giles Coren
Giles Coren, Kolumnist der britischen Tageszeitung «The Times» und Restaurantkritiker, hat sich öffentlich von seinem Atheismus losgesagt und zum Christentum bekehrt ... und das im Rahmen einer Kolumne.

Kürzlich widmete Giles Coren seine Kolumne nicht dem Essen, sondern dem Glauben. Unter dem Titel: «In dieser Fastenzeit werde ich den Atheismus zu Asche verbrennen.» Sein Atheismus, schreibt er, sei in den letzten Jahren verblasst.

«Atheismus ist die Grundhaltung jedes modernen Stadtmenschen, die als selbstverständlich vorausgesetzt wird», erklärt Giles Coren. «Viele Atheisten scheinen heute zu glauben, dass wir ihre unwiderlegbaren Argumente gegen den Glauben und ihre geistreichen Seitenhiebe auf Gläubige hören wollen. Aber ich frage mich: ‘Warum macht ihr euch die Mühe? Mit wem redet ihr? Wen glaubt ihr noch bekehren zu müssen? Ich habe den Eindruck, dass viele dieser Menschen in einem religiösen Umfeld aufgewachsen sind und es für wichtig halten, sich immer wieder davon zu lösen. Aber für mich gilt das nicht. Meine Kindheit war gottlos – und sie war ausbaufähig.»

«Gott hätte ihm nützlich sein können»

Giles Coren wuchs in einer jüdischen Familie auf, hatte aber als Kind «keinen Hebräischunterricht, kein jüdisches Umfeld, keine Bar Mitzwa». Sein Blick auf die Religion änderte sich nach dem Tod seines Vaters. «Am Ende schien es mir, als hätte Gott ihm nützlich sein können», schreibt Giles Coren und erzählt, wie seine nichtreligiöse Familie Schwierigkeiten hatte, eine angemessene Trauerfeier zu organisieren. Schliesslich hielt ein «irreligiöser Rabbi» einen «halb-hebräischen Gottesdienst zwischen Kreuzen und geschnitzten Engeln» ab.

Obwohl Giles Coren im Laufe der Jahre an jüdischen Simcha-Zeremonien teilnahm, fühlte er sich immer fremd: «Ich konnte mich nicht wirklich einbringen, fühlte mich nackt in meinem Abfall vom Glauben, unwohl mit der Kippa, gezwungen, geliehene Gebetsschals zu tragen, die mich wie einen Betrüger aussehen liessen. Ich verstand kein Wort Hebräisch, die Trennung der Frauen war mir fremd, und meine Kinder galten als Mischlinge.»

Heute in der Kirche verwurzelt

Heute fühlt sich Giles Coren in der anglikanischen Kirche verwurzelt – sein Sohn hat dabei eine entscheidende Rolle gespielt. «Ich fühle mich jetzt in der anglikanischen Kirche zu Hause», schreibt er. «Die Sprache dieses Gebetbuchs ist meine, ebenso wie die Tradition, die Bildung, das Land, die Poesie. Und für all das gibt es ein Gebäude, meist ein schönes, an jeder Strassenecke, gegenüber dem Pub – und jeder Engländer und jede Engländerin kann hineingehen und Trost finden.»

Und er fährt fort: «Als Esther und ich vor 15 Jahren in die ‘St Bride’s Church’ in der Fleet Street gingen, verheiratete man uns ohne Zögern. Dafür ist eine etablierte Kirche da. Nirgendwo sonst hätte ich mich wirklich verheiratet gefühlt. Und als mein Sohn, der wie ich ohne religiöse Tradition aufgewachsen war, einige Jahre später sagte, er wolle in die Kirche gehen, antwortete ich: ‘Okay’. Also gingen wir am nächsten Sonntag in die nächstgelegene Kirche. Und seitdem sind wir dort geblieben.»

«Habe Gefühl, dass Gott da ist»

Giles Coren bezeichnet die Predigten als immer gut und die Orgelmusik fantastisch. Und er fügt hinzu: «Und ich glaube nicht nicht. Ich bin nicht ohne Glauben. Es ist merkwürdig, denn das Judentum verlangt keinen Glauben, nur die Einhaltung der Gebote», schrieb Giles Coren. «Im Christentum ist es genau umgekehrt – nicht wahr? Also praktiziere ich, wie ein Jude, den christlichen Gottesdienst», fuhr er fort. «Und ich habe das Gefühl, dass Gott da ist – in der Tradition, in den Worten, in 2000 Jahren Glauben, in der Vorstellungskraft all derer, die vor mir da waren. Dieses Gefühl habe ich in der Synagoge nicht. Oder, sagen wir, in einem Pizza-Express.»

Er bezeichnet sich heute als christlichen Juden. «Ich werde immer ein Jude sein – so wie ein schwarzer Mann immer ein schwarzer Mann bleibt. Ich werde weiterhin jiddische Wörter benutzen, wenn Englisch nicht ausreicht, und jedes Mal, wenn Harrison Ford auf der Leinwand erscheint, werde ich sagen: ‘Seine Mutter war Jüdin, weisst du?’ Aber ich werde ein christlicher Jude sein.»

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Datum: 18.03.2025
Autor: Michael Foust / Daniel Gerber
Quelle: Crosswalk / Übersetzung: Livenet

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