Regierung reagiert zurückhaltend

Nepal: Angegriffen, während sie Gott lobten

Christen in Nepal
Am 15. Juni stürmte eine Gruppe von 40 bis 50 Hindu-Extremisten einen christlichen Gottesdienst in der nepalesischen Provinz Madhesh. Sie beschuldigten den Pastor, Menschen bekehren zu wollen, und griffen ihn körperlich an.

Mehrere Dutzend Mitglieder der Gruppe «Hindu Samrat Sena», einer Gruppe von Hindu-Extremisten, drangen in den Versammlungsort ein und unterbrachen den Gottesdienst. Sie beschuldigten den Pastor Mohan Das (Name geändert), die Menschen einer Gehirnwäsche unterziehen zu wollen – sie behaupteten, dass es zuvor keine Christen im Dorf gegeben habe. Sie beschimpften die anwesenden Gläubigen und sagten, das Christentum sei «eine Religion, die Kühe frisst». Die Gottesdienstteilnehmer bestritten diese Behauptung und sagten, sie würden kein Kuhfleisch essen und niemand habe sie gezwungen, ihre Religion zu wechseln.

Pastor Mohan erzählt: «Ich habe ihre Anschuldigungen zurückgewiesen und geantwortet, dass ich nur über das Evangelium spreche.» Als Antwort wurde er geschlagen und getreten. «Während der Auseinandersetzung kam die Polizei an den Ort des Geschehens und beruhigte die Situation. Sie nahmen die Angreifer mit auf die Wache und forderten sie auf, die Bibeln zurückzugeben, die sie uns weggenommen hatten.»

Vier Tage nach dem Angriff wandten sich die Christen in einem Brief an die lokalen Behörden, um die Angreifer zur Rechenschaft zu ziehen und die Sicherheit der Gemeinde zu gewährleisten. Die Behörden reagierten jedoch zurückhaltend und betonten, dass die Situation derzeit schwierig sei. Sie forderten Pastor Mohan auf, die Gottesdienste für mehrere Monate einzustellen. Dieser antwortete ihnen, dass er sich weigere, die Kirche zu schliessen, die er vor zwölf Jahren gegründet hatte und die heute 70 bis 80 Mitglieder zählt.

«Ich fühlte mich gesegnet, verfolgt zu werden»

Trotz seiner schrecklichen Erlebnisse ist Pastor Mohan voller Glauben: «Ich habe nur Ohrfeigen bekommen, während Jesus viele Peitschenhiebe bekam und gefoltert wurde. Er hat die Schmerzen an meiner Stelle ertragen.» Dann verweist er auf die Worte Jesu: «Selig sind, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden, denn ihrer ist das Himmelreich», und auf die Ankündigung, dass «wenn die Welt euch hasst, so denkt daran, dass sie mich zuerst gehasst hat». Mohan sagt: «Ich habe mich an diese Verse erinnert und mich gesegnet gefühlt, weil ich verfolgt wurde. Ich habe in meinem Herzen gebetet und dem Herrn für diese Verfolgung gedankt.»

Die Gemeinde ist jedoch durch den Vorfall verunsichert, einige haben Angst, zum Gottesdienst zu kommen. Tatsächlich bleibt die Lage angespannt, da die Drohungen der Hindu-Extremisten gegen die Gemeinde und Pastor Mohan weiter anhalten.

Zahlreiche Fälle von Verfolgung in Nepal seit Anfang des Jahres

Mina Rai (Name geändert), eine Partnerin von Open Doors vor Ort, berichtet, dass sich die Lage der Christen in Nepal von Tag zu Tag verschlechtert. Vor allem die Provinz Madhesh ist zu einem Brennpunkt der Verfolgung geworden, da sie stark von den Hindus in Indien beeinflusst wird. Im Bezirk Bara wurden elf Christen verhaftet, im Bezirk Sarlahi wurden Bibeln verbrannt, andere Gläubige wurden in der Öffentlichkeit belästigt und inzwischen werden auch Pastoren angegriffen.

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Datum: 11.07.2024
Quelle: Open Doors Schweiz

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