Falsche Beschuldigungen

Mindestens 19 Christen im Sudan verhaftet

Im Sudan wurden 19 Christen verhaftet
Die sudanesischen Streitkräfte (SAF) haben seit Januar mindestens 19 Christen im Bundesstaat Al-Dschasira festgenommen und beschuldigen sie, Anhänger der Rebellengruppe Rapid Support Forces (RSF) zu sein.

Die Verhaftungen begannen am 21. Januar, als sieben Christen, Mitglieder des Sudanesischen Kirchenrates, auf dem Weg zu einem Dankgottesdienst des Interkirchlichen Komitees waren. Sie waren auf dem Weg von Barakat in die Hauptstadt, wurden aber von SAF-Offizieren angehalten, berichtete «Morning Star News».

Der Anwalt Shinbago Mugaddam bestätigte die Festnahmen und nannte die Namen der sieben Inhaftierten: James, Rani Andraws, Akech Otin, Patrice Saeed, Ammanuel, Abraham John und Peter Makuei.

Er erklärte, dass die Christen vor ihrer Verlegung in das Gefängnis von Madani eine Woche lang im Gemeinsamen Militärzentrum in der Nil Avenue in Madani intensiv verhört worden seien. Alle sieben hätten jegliche Verbindung zu RSF bestritten.

Sofortige Freilassung gefordert

Um ihre Verteidigung zu stärken, überreichten Kirchenführer aus der Region einen Brief, in dem sie die sofortige Freilassung der Christen forderten, da es keine Beweise für eine Verbindung zu RSF gebe. Dennoch blieben die Verhafteten in Haft.

Zu einer zweiten Verhaftungswelle kam es ebenfalls im Januar, als laut Mugaddam weitere zwölf Christen in Wad Rawah, ebenfalls im Bundesstaat Al-Jazeera, unter ähnlichen Vorwürfen festgenommen wurden. Ihr Verbleib ist unbekannt.

Unterdrückungs-Kampagne

Menschenrechtsorganisationen sehen die Verhaftungen als Teil einer grösseren Kampagne zur Unterdrückung des Christentums im Sudan. In dem Land leben rund zwei Millionen Christen, das sind 4,5 Prozent der Gesamtbevölkerung.

Mugaddam unterstrich diesen Vorwurf mit den Worten: «Es handelt sich um eine systematische Verfolgung von Christen, die ohne ordentliches Gerichtsverfahren verhaftet werden.»

Nach Angaben des UN-Hochkommissariats für Menschenrechte (UNHCR) hat der anhaltende Konflikt zwischen dem Führer der SAF, General Abdelfattah al-Burhan, und dem Kommandeur der RSF, Mohamed Hamdan Dagalo, den Sudan verwüstet. Mehr als 12,9 Millionen Menschen wurden vertrieben und zehntausende Zivilisten getötet.

Umstrittene Gesetzesänderung

Die Verhaftungen folgen auf eine umstrittene Gesetzesänderung: Das im Mai 2024 verabschiedete «Gesetz über den Allgemeinen Geheimdienst» («General Intelligence Service Law», GIS) räumt dem sudanesischen Geheimdienst weitreichende Befugnisse ein. Es erlaubt Geheimdienstmitarbeitern, Personen festzunehmen, zu durchsuchen und zu verhören, die rechtliche Immunität geniessen und somit vor Strafverfolgung geschützt sind, es sei denn, der GIS-Direktor erteilt seine Zustimmung.

Der «Sudan War Monitor» weist darauf hin, dass nach Artikel 52 des geänderten Gesetzes Handlungen von Beamten, die «in gutem Glauben» im Rahmen ihrer dienstlichen Pflichten erfolgen, nicht als Straftaten gelten.

Auf dem Weltverfolgungsindex (WVI) von «Open Doors» nimmt der Sudan aktuell den fünften Platz unter den Ländern ein, in denen Christen am stärksten verfolgt werden. Im Vorjahr lag das Land noch auf Platz acht, was auf eine Verschlechterung der Religionsfreiheit hindeutet. Der WVI-Bericht verzeichnet eine Zunahme der Gewalt gegen Christen, darunter Morde, sexuelle Übergriffe sowie die Zerstörung von Häusern, Geschäften und Gotteshäusern seit Ausbruch des Bürgerkriegs im April 2023.

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Datum: 02.04.2025
Autor: Obianuju Mbah / Daniel Gerber
Quelle: Christian Today / gekürzte Übersetzung: Livenet

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